7. Etappe Langnau i. E. - Bern - Schwarzenburg

Aktualisiert: 4. Apr.

22. März 2022

Dienstag, ca. 11 Uhr und ich laufe vom Bahnhof Langnau los, entlang der Emme.

An einem Wochenende würden mir auf diesem schönen Weg einige Menschen begegnen und doch wäre es wohl ruhiger als nun...

nun ja, wenn Innenstädte mit Laubbläsern rausgeputzt werden, passt das irgendwie noch ins Bild...aber an einem Wanderweg entlang des Flusses?!

Wenn Ordnungsliebe dekadent wird..."seltsame Spezies" denken sich wohl manche Tiere...


So beschleunige ich meine Schrittgeschwindigkeit, bis ich fern vom Motorenlärm bin.

Langsam habe ich mich an den grösseren Rucksack gewöhnt, Gepäck für 3 Tage Unterwegssein. Grösstenteils führt mein Weg über die Route 3 des Alpenpanoramaweg - ein aussichtsreicher Weitwanderweg vom Bodensee bis zum Genfersee...

die landschaftliche Idylle, der Duft des Frühlings, so manche tierische Begegnung lässt mich Ankommen im Hier und im Augenblick ...




...Terrassenbau im Emmental


...es gibt sie, die Stunden und Tage, an denen es gelingt, dass die Vögel der sorgenden Gedanken keine Nester in meinem Kopf bauen, sondern lautlos wie Wolken vorbeiziehen...

Schritt um Schritt das JETZT entstehen lassen, aus dem Moment entscheiden statt einem Plan zu folgen...

...die Sonne geht unter, ich wandere in der Dämmerung weiter, bis ich nahe an der Aare bin...und kehre in ein nahegelegenes Restaurant ein. Am späten Abend schlage ich mein Nachtlager unterm Sternenhimmel am Fluss auf...


23. März 2022

...kurz vor Sonnenaufgang...Nebel über der Aare, an einem kleinen Zulaufbach wasche ich mich...eiskalt, ich laufe schneller, um meinen Körper aufzuwärmen...

...bis die ersten Sonnenstrahlen mich in golden warmes Licht hüllen und eine Farbenpracht in die Landschaft malen...

diese Zeit am frühen Morgen hat eine besondere Energie...es ist eine Einladung für einen neuen Tag, für den ich mit meinen Gedanken, meinen Intentionen, die Weichen stellen kann, wie er sich entwickeln mag - der heutige Tag.


Zwischen Aare und Tierpark Dahlhölzli

nähere ich mich am frühen Morgen der Stadt Bern...

eingeladen zum Café bei Kurt;

zeitlos tauchen wir ein, in einen Flow von gegenseitigen gedanklichen Inspirationen zum Wandel der Zeit und ihren damit verbundenen Herausforderungen...

bis hin zu ganzheitlichem Heilen.

Spontan werde ich mit einer körpertherapeutischen Behandlung beschenkt, die ich bis anhin nicht kannte.

Meine vielfältigen Erfahrungen der Körperarbeit, kombiniert mit einer ausgeprägten Wahrnehmung, ermöglicht mir, das Potential einer Behandlungsmethode unmittelbar zu erahnen. Nachhaltig wirkend, bin ich fasziniert vom Konzept und der Umsetzung von "ConTact C.A.R.E Flinchlock Release", eine noch junge Therapieform, die in Neuseeland entwickelt wurde. Insbesondere geeignet nach Sport-/Unfallverletzungen. Gerne trage ich dazu bei, diese integrative Methode bekannter werden zu lassen - und damit einen ganzheitlichen Gesundungsprozess zu fördern. Mit "ganzheitlich" meine ich in diesem Zusammenhang eine Ursachenbehandlung, anstelle von Symptom- und Schmerzunterdrückung.

Mein Körper hat die Impulse gerne aufgenommen und leichtfüssig setze ich meinen Weg Richtung Altstadt fort...

...grade zur Mittagszeit spaziere ich über die "Europapromenade" (warum heisst diese so?! Wäre ein naturbeschreibender Name wie beispielsweise "Alpenpromenade" nicht einladender als eine geopolitische Bezeichnung?)...entlang des Bundeshauses

...der Ort, wo bei schönem Wetter von vielen Menschen das "to go" Mittagessen "to sit" eingenommen wird...

ich komme direkt bei drei Jungs vorbei, welche sich auffällig ähneln: ein sehr bleiches Gesicht, das voller Akne ist..umgeben von unzähligen Mc Donald-Boxen und Tüten-

mein erster Gedanke "die sehen so krank aus, wie das, was sie essen!"

Eine verständnisvollere Stimme in mir mahnt mich, nicht so zu urteilen und ich beginne ein Gespräch mit ihnen.

Unweigerlich registriere ich entlang der gesamten Promenadenlänge, dass es mindestens bei jeder dritten Person zum Lunch eine Cola gibt...sollte mich doch eigentlich nichts angehen...aber ist nicht spätestens seit der "Corona-Krise" die persönliche Gesundheit keine Privatangelegenheit mehr?! Wem steht es zu, sich in das Gesundheitsverhalten anderer auf welche Art und Weise einzumischen?! Und wer definiert "gesundes" Verhalten?!

Wo beginnt die Eigenverantwortung dafür und wo hört sie auf?!

Können wir noch gesellschaftlich darüber unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen in respektvoller Weise austauschen?


Nicht nur diesbzgl. befinden wir uns in einer Zeit, in der es sehr unangenehm werden kann, wenn man es wagt, propagierte Meinungen zu hinterfragen.

Vom Bundeshausplatz aus betrachte ich das architektonisch majestätische Gebäude - Sinnbild für eine Staatsmacht. Bis vor etwa zwei Jahren fühlte sich das für mich unbefangen und neutral an. Bei meinen Reisen in verschiedenen Ländern machte ich unterschiedliche Erfahrungen damit, wie sich die Macht eines Staates auf die Bevölkerung

auswirkt. Und an manchen Orten erlebte ich willkürliche Staatsmacht, von der ich als Touristin mehrheitlich verschont blieb. Oft fühlte ich dann eine Dankbarkeit, dass ich in einem Land zuhause bin, in der ich keine Angst vor Staatsmacht und vor -willkürlicher- sowieso nicht zu haben brauche. Selbst dann nicht, wenn ich mal nicht die Meinung der Regierung teile. Zeiten ändern sich und diese Dankbarkeit fühle ich nun nicht mehr.


Das politische Weltgeschehen bewirkt meinerseits eine zunehmende Immunität gegen Propaganda jeglicher Art - von welcher Seite sie auch kommen mag.

Auch nun werde ich nicht eine ganze Bevölkerungsgruppe verurteilen und sanktionieren, weil deren Staatschef scheinbar keine andere Lösung mehr für einen langanhaltenden Konflikt gesehen hat, als mit Waffengewalt in ein Nachbarland einzumarschieren.

Auf meiner Reise vor vielen Jahren mit der transsibirischen Eisenbahn, hatte ich viele Gelegenheiten die grosszügige und herzliche Gastfreundschaft russischer Menschen zu erleben. Ich verweilte in verschiedenen Regionen und lernte so mehr über die Kultur, insbesondere auch über traditionelles Heilen.

Während ich mich so zurückerinnere, an die ein und andere herzliche Begegnung, summt eine Melodie durch meinen Kopf...



...so wandere ich weiter mit diesem Lied auf den Lippen und hoffe,

dass sich mehr und mehr Menschen nicht mehr instrumentalisieren lassen

für die Machtansprüche einiger weniger...

denn:


"Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse,

aber nicht für jedermanns Gier."

Mahatma Gandhi


...ein Brunnen! Gute Gelegenheit,

von der komplexen Welt wieder zum Schönen & Einfachen "Hier" zurückzukommen!

Ein paar Mal knietief durchwaten und meine Waden fühlen sich rund-erholt,

Arme rein und auch die restliche Müdigkeit schwindet...der gute "Kneipp" hatte ja so Recht mit dem "kneippen"!

Und ich mag noch weit laufen...

...im Angesicht eines prächtigen Panoramas!



In der Spätnachmittags-Sonne spaziere ich durch zauberhafte Wälder ,

bis ich in der Dämmerung auf den Fluss treffe. Wie Hüter des Eingangs zu einem eigenen Reich, tauchen die ersten Felsen auf - der "Sensegraben".

Über Stege weiter auf einem schmalen Waldpfad, sich entlang der Sense schlängelnd, halte ich in dem noch verbleibenden Abendlicht Ausschau nach einem Platz zum Übernachten...





Geschützt und zugleich -unmittelbare Sinneseindrücke meiner Umgebung- erlebbar...

das Rauschen des Flusses, Mondlicht, Sterne, hin und wieder die Geräusche verschiedener Tiere...

ist es ein Tier, das sich bewegt, oder der Wind, welcher Äste knarren lässt?








24. März 2022


...noch vor Sonnenaufgang bin ich hellwach, mit nur wenigen Handgriffen habe ich wieder alles im Rucksack verstaut...und verlasse selbstverständlich meinen Schlafplatz so, dass keine Spuren meines Nachtlagers sichtbar bleiben...

die Nähe am Fluss lässt mich die morgendliche Kälte noch stärker fühlen, es wird noch

2-3 h dauern, bis die Frühlingssonne in die Schlucht scheinen mag...



...ich wandere bis zur alten Schwarzwasserbrücke und schaue hinauf zur Eisenbahnbrücke, welche sich genau an der Mündungsstelle zwischen Sense und Schwarzwasser hoch oben drüber spannt.

"Von dort wird man eine gute Aussicht in beide Schluchten haben und aufwärts würde es mir auch rasch noch wärmer werden..." -oben angekommen fährt grade ein Zug ein; ganz spontan steige ich ein - "einfach mal über die Brücke und wieder zurückfahren"...doch: hier oben scheint bereits die Sonne! Ich entscheide wieder spontan, die Zeit, bis diese auch die Schlucht erreichen mag, mit einem Café ein paar Haltestellen weiter, zu überbrücken...

Köniz, nur paar Schritte vom Bahnhof entfernt- so einladend: der Bioladen "KöniGnuss" !

Ich bekomme einen Cappuccino serviert- sonst so selbstverständlich nebenbei trinkend, wird er nun schluckweise könignüsslich einverleibt! Das hätte ich vor ca. 1 1/2 h Stunden- noch etwas fröstelnd, irgendwo in einer Schlucht, nicht erwartet. Und es entsteht ein schönes Gespräch mit dem Mann, welcher den Bioladen führt. Über die Philosophie vom Unterwegssein, über Wandern und Pilgern, über Selbstbegegnung in der Natur und "Transformationsprozessen", von denen er mir erzählt ...

dann wieder zurück mit dem Zug bis Schwarzwasserbrücke und hinabsteigend in die Schlucht - inzwischen teilweise im Sonnenlicht. Wieder vorbei an der alten Schwarzwasserbrücke bis zum Schwarzwassergraben...zur Mittagszeit scheint die Sonne warm genug, dass ich ein erfrischendes Bad im "Naturpool" nehmen kann...



...wer kennt das Gefühl nicht, dass man meint, die andere Seite des Flusses könnte schöner sein?! Das möchte ich doch mal prüfen, so entdecke ich sowohl links-, als auch rechtsseitig der Sense die vielfältige Schönheit einer der noch letzten ökologisch intakten Flusssysteme der Schweiz...

so ist hier auch die Gelbbauchunke zuhause - ich bin in der Jahreszeit zu früh, so dass ich nur die Eier sehen kann, welche sie in Tümpeln abgelegt hat.

Der Name «Gelbbauchunke» spricht für sich: Der Bauch der Unke weist ein intensiv leuchtendes, gelb-schwarzes Muster auf, das ihre Feinde abschrecken soll. Sobald Gefahr droht, dreht sich die Unke auf den Rücken und zeigt die Warnfarben ihres Bauchs. Normalerweise wirkt die Unke jedoch sehr unscheinbar. Die braune Farbe des Rückens entspricht meistens der Farbe der Tümpel. Somit ist das 5 cm grosse Tier bestens getarnt – nur wer genau hinschaut, bemerkt die Anwesenheit der Gelbbauchunke. Unverwechselbar ist sie dank einem speziellen Merkmal ihrer Augen: Die Pupillen bilden ein kleines Herz!


Zusammenfluss Schwarzwasser - Sense


...Heiti Büffel, einer der Wächter über die Gewässerperle "Sense"








...über das Hängebrüggli der Sense führt mich ein Stück weiter flussaufwärts der Wanderweg über unzählige Treppenstufen aus der Schlucht hinaus nach Burlingen und zur Gralsburg- eine Burg aus dem 12. Jahrhundert.





...zurückgelassen zur Freude anderer...





...da die Gralsburg an einem Felsvorsprung in einer Flussschleife der Sense liegt, schaue ich noch mal von oben ins idyllische Flusstal.

Und ich bin dankbar, zu dieser Jahreszeit, das Flusstal so ruhig und ungestört, von anderen Besuchern, erlebt zu haben.

...so schmeckt Frühling! Löwenzahn- und Spitzwegerichblätter, garniert mit

Gänseblümchen, über die sich insbesondere die Leber freut, dazu

Schlüsselblumentee- gut für die Atemwege...


Noch in der Dämmerung erreiche ich den Bahnhof Schwarzenburg...auf dem langen Weg mit dem Zug nach Hause, lege ich meine Füsse hoch...doch als ich wieder aussteigen möchte, kann ich fast nicht mehr laufen..jeder Muskel in meinen Waden scheint streiken zu wollen...und darf es auch, sobald ich zuhause im Bett liege.

























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