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40. Etappe Olten - Aarau

26. Dezember 2022 (1 Tag)


Kurz nach neun Uhr komme ich in Olten an, mit dem Mindest-Tagesziel "Aarau", vielleicht auch etwas weiter...mal schauen...ich spaziere durch die leeren Gassen der Altstadt...


In Olten findet alljährlich das grösste Kabarett- und Satire- Festival der Schweiz statt. Entlang einer Mauer reihen sich Portraits als Hommage an verschiedenste Künstler/innen.

Ich betrachte sie mir, mit einem Beigeschmack von Ernüchterung, wie auch hier die Mehrheit der einst so kritisch- und wachsamen Denker/innen einen scheinbaren Gesinnungswandel im Schnelltempo vollzogen haben...nicht nur, dass sie die Frage der "Spritze" als private Angelegenheit belassen haben...sie haben sich gar dazu instrumentalisieren lassen, medienwirksam dafür zu werben (wie leider auch Franz Hohler) und sich für Werbekonzerte kaufen lassen (wie die einst so rebellisch daherkommen wollenden Rapper/innen) .


Waren die wirklich überzeugt, es für eine gute und wahre Sache zu tun ?! Und wer von Ihnen ist inzwischen bereit, genauso öffentlich zu seinem Irrtum zu stehen und die Konsequenzen für das Mitmachen zu tragen?

Auch in der Musik- und Kulturszene sind die Masken gefallen - solange es Geld, Ruhm, Erfolg und Anerkennung bringt, sich unter dem "Schutzmantel der Kunst" gesellschafts-kritisch zu äussern, kann das Mundwerk nicht gross genug sein für lauthals verbreitete Äusserungen. Da kann ich nur zitieren "Charakter ist das, was vom Menschen übrig bleibt, wenn es unbequem wird."






Und da die Ausnahmen nur so wenige sind, leuchten sie mit ihrer Aufrichtigkeit umso stärker aus der gleichgeschalteten Masse der Unterhaltungsindustrie hervor.

Satire vom Besten auf einem Niveau, das -wenn verstanden wird, was gesagt und gemeint ist- einen zu einem besseren Menschen werden lassen kann.




Ich gehe über die Aarebrücke, verlasse -entlang des Ufers- die Stadt und wende mich wieder dem Schönen am Wegrand zu...



Es beginnt zu regnen, ich merke die Anstrengung der letzten beiden Tagen in meinen Beinen, zudem beginnt der Wanderschuh an ein paar Zehen am linken Fuss zu drücken...wie war das mit dem Mindestziel für heute?! Gut habe ich meine Barfuss-Schuhe im Rucksack...die werden zwar nass, aber mit einem Paar wasserfesten Socken behalte ich trotzdem ausreichend warme Füsse.

Der Regen wird stärker...zuerst weiche ich noch im Zickzack-Kurs den grösser werdenden Regenpfützen aus, dann laufe ich einfach hindurch...über weite Strecken verwandelt sich die Aare zu einem ungezähmten Naturjuwel - insbesondere auch für die Vogel- und Wassertierwelt.

Der Anblick idyllischer Natur wird unterbrochen von dem Kernkraftwerk Gösgen- winziger als ein Floh komme ich mir neben diesem Koloss vor - und doch ist es nicht die Grösse, die mich ein Unbehagen fühlen lässt...als Jugendliche in den 80er Jahren von den furchtbaren Bildern nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl beeinflusst, konnte ich dieser Form der Energiegewinnung noch nie etwas abgewinnen. Nun ja, die Schweiz ist ja nicht "Tschernobyl", auch nicht "Fukushima" und bekannt für ihre hohen Sicherheitsstandards...

doch wie die "grünen Wendehälse" nun meinen, ist es nun eine saubere Energiegewinnung. Das mag vielleicht stimmen, wenn man den dabei entstehenden Endmüll weit genug weg deponiert und ausblendet, dass es ihn gibt.

Ich spaziere durch einen im englischen Stil angelegten Landschaftsgarten - dem "Ballypark". Unter dem Schutz eines Pavillons gönne ich mir eine kurze Rast.

Das Hochwasser der Aare tritt stellenweise über die Ufer. Egal, mehr nass können die Schuhe nicht mehr werden. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich das Wasser seinen Weg bahnt und Landschaften gestaltet...


Der Biber grüsst mal wieder mit seinen Spuren...ich zähle auf einer Strecke von etwa 100 m sieben angenagte Bäume...auch ganz dickstämmige, alte Bäume. Sie nagen die Bäume an, um an Nahrung zu kommen- Rinde und feine Zweige. Die Aare ist zu gross, so dass die Biber hier keine Staudämme bauen, sondern in trockenen Höhlen leben. Zwischen Olten und Aarau leben etwa 20 - 30 Biber.



Eine Symbiose zwischen den Pflanzen im "Efeuwald" und ein Baum der dem Wasserdruck standhält...



15 Uhr, ich komme in Aarau an...meine Beine machen sich so deutlich bemerkbar, dass ich keinen Gedanken daran verwende, heute noch irgendwohin weiter zu wandern...so gehe ich ohne Pause durch die Altstadt zum Bahnhof.

Mmmhhh...einfach nur sitzen, Tee trinken und aus dem Fenster schauen, wie der Regen

an die Scheiben prasselt...vorfreudig auf einen erholsamen, gemütlichen Abend zuhause.




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