3. Etappe Jakobsweg mit Alpenpanorama von Luzern nach Wolhusen

Aktualisiert: 3. Mai


8. Februar 2022

9 Uhr Luzern



An der Sonne ist es bereits frühlingshaft warm, als ich entlang der Reuss durch Luzern spaziere…nur kurze Zeit und einige Naturtreppen später, bin ich bereits mitten im Wald auf dem Weg zum Sonnenberg. Ich komme zu einer Kreuzung mit Wegschildern, als ich eine Wanderin danach frage, welchen der Wege sie mir denn als den Schöneren empfehlen könne… wir spazieren schliesslich gemeinsam auf einem nicht markierten, schmalen Pfad, welcher sich entlang prächtig grosser Bäume schlängelt.

Bernadette erzählt mir, dass ihre Muskeln nicht mehr so stark seien, um weit zu laufen; aber sie gehe jeden Tag von ihrer Wohnung in der Stadt zum Waldbaden, bis zu einem Platz mit einer Bank, bei der sie Yoga mache und danach kehre sie wieder um. Den Wald habe sie in der Coronazeit entdeckt. Es sei eine schwierige Zeit gewesen. Da sie umgeimpft sei, habe sie in kein Restaurant mehr können, kein Yogakurs besuchen u.v.a.m. Diese Zeit habe schon Spuren hinterlassen, aber es habe sie auch stark gemacht. Die Krisenzeit habe auch ihr Gutes gehabt, denn sonst hätte sie den Wald nicht entdeckt.

Ich frage sie, ob es etwas gebe, was sie gerne mitteilen möchte…einen Wunsch oder so…

Ohne nachzudenken kommt sofort „dass die Menschen mal wieder normal tun!….aber das kann man ja so nicht sagen…“ Sie hält inne, ihr Ausdruck verändert sich und sie spricht: „Ich habe den Wunsch, dass wir uns wieder mehr vom Wald nähren lassen.“ Stille.



Als ich meinen Weg alleine weiter gehe, lasse ich diese Begegnung und Worte nachwirken…

Schon als Kind habe ich am liebsten im Wald gespielt…das war für mich „normal“, weil bekannt und vertraut. Mit „normal“ verbinde ich oft auch das „natürliche“…

vor einigen Tagen traf ich eine Pfadigruppe im Wald - die Kinder trugen beim umher rennen Schutzmasken!

Das widerspricht meinem Verständnis von „natürlich-normal“.

Im Gespräch mit den Leiterinnen erklärten diese mir, sie halten sich an die Regeln, damit sie - im Falle eines „positiven Falles“ sagen könnten, dass sie sich an die Regeln gehalten hätten! Da hatte ich nichts mehr zu sagen…im Stillen wünschte ich „bitte werdet wieder normal!“ Aber das kann man ja nicht sagen ?!…weil man das eigene Empfinden nicht zum Masstab für andere setzen möchte.

Weiter auf dem Jakobsweg führt mich die Route vom Sonnenberg über die Ränggschlucht bis Malters. So viele Menschen, die begeistert den JAKOBSWEG pilgern…

worin liegt die Anziehungskraft zum Pilgern?

Was unterscheidet wandern von „pilgern“? Unzählige Wege, Berge und Täler habe ich durchwandert, was ist nun anders bei meinem Unterwegssein?!


Etymologisch bezieht sich das Wort pilgern auf das lateinische Verb ‚peregre‘ – über den eigenen Acker hinaus gehen. Ein Pilger bricht auf, um den eigenen ‚Acker‘, die eigene Lebenswelt zu verlassen. Intuitiv spüren Menschen, dass -bewusst einen Weg zu gehen-eine lebendige Metapher zum eigenen, inneren Lebensweg wird. Ein sich selbst näher kommen im schrittweise Vorangehen, ein „Bei-Sinnen-Sein“ in der Natur, den eigenen Rhythmus (wieder-) finden, losgelöst von der äusseren Zeit. Der Weg wird dabei bedeutsamer als das Ziel - und doch macht die Ausrichtung auf ein Ziel den Weg erst möglich.

Mein Weg führt vorbei an der Wallfahrtskirche St.Jost in Blatten, zum Ufer der kleinen Emme…da entdecke ich eine Tafel, welche Teil eines etwa 4 km langen „Liebesweg“ ist.

Ich lasse mich davon inspirieren...

Allein-Gemeinsam -ein Schwingen zwischen Nähe und Distanz...ein Thema, das über Liebesbeziehungen hinaus geht.

Wieviel AlleinSein halte ich aus und wieviel davon brauche ich, dass es mir gut geht?

Was möchte ich lieber allein tun, allein entscheiden? Wieviel "Gemeinsam" und Gemeinschaft wünsche ich mir?

Wir kommen alleine in diese Welt und wir gehen alleine von dieser Welt;

allein bedeutet auch all-es ist in ein-em- so können wir alleine sein und uns doch mit Allem verbunden fühlen!

Wieso verbinden dann so viele Menschen das "allein" eher damit, dass etwas fehlt und versuchen es möglichst zu vermeiden?! Im Alleinsein erfahre ich mich als eigenständiger Mensch und kann in der Begegnung mit dem "Du", diesen ebenso als eigenständigen Menschen wahrnehmen - unabhängig von meinem So-Sein.



...Gedanken, die mich begleiten, während ich entlang des Flusses gehe und im Spätnachmittags-Sonnenlicht das Kloster Werthenstein erreiche.











Ich fülle meine Trinkflasche am Gnadenbrünneli, als ein Mann vorbeikommt um gleich mehrere Flaschen aufzufüllen.

"Das ist besonderes Wasser!" sagt er

zu mir. Ich glaube es ihm, trinke nochmals davon und mache mich auf den Weg bis zum Bahnhof Wolhusen.


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