24. Etappe Linthal - Niederurnen - Walensee - Amden - Stein

16. Oktober - 17. Oktober 2022 (2 Tage)


Manchmal plane ich meine Wandertage nach dem Terminkalender, manchmal richte ich meine Termine nach meinen Wandertagen aus und manchmal entscheidet das Wetter...so wie heute.

Vorbei an herbstverzauberten Wäldern spaziere ich entlang der Linth; irgendwann wird der Weg breiter, so dass auch Velofahrende an mir vorbeikommen. Dann ein Blick, zwei E-Bikes halten an...gute Bekannte, die ich länger nicht mehr getroffen habe. Da gibt es so manches auszutauschen in dieser sich rasch verändernden Zeit...sie laden mich ein, bei ihnen in Schwändi zu übernachten...im ersten Moment verlockend, denn die Freude über die spontane Begegnung ist gross.

Aber für heute bevorzuge ich, meinen Weg weiterzugehen und gerne ein andermal auf den Besuch zurückzukommen.


Die Spuren am Himmel schliessen auf einen regen Flugverkehr - und stimmen mich nachdenklich darüber, was in der Luft zurückbleibt an den Tagen, wenn sich die Kondensstreifen eines Flugzeuges nicht in Kürze auflösen, sondern den ganzen Himmel im Verlauf eines Vormittags milchig werden lassen und das Gefühl entsteht, als drücke ein Deckel auf den Kopf.

Mein Weg führt Richtung Walensee...ich denke an Freunde, die in der Nähe wohnen und die ich länger nicht mehr gesehen habe. Eine Gelegenheit für einen spontanen Besuch...so schicke ich mal eine SMS - daraufhin ruft Laura an und möchte mich spontan ein Stück begleiten - so treffen wir uns um 17.15 Uhr am Bahnhof in Glarus.

Schön, mal wieder Zeit zum Austausch zu haben...der Weg, bis zu Ihnen nach Hause in Niederurnen, zieht sich doch um einiges länger als erwartet, so dass es bereits dunkel ist, bis wir ankommen. Nicki hat uns schon länger erwartet. Und ich lerne Balu, ihren neuen jungen Hund kennen. Eine ganz besondere Wesensart, den würde ich am Liebsten mitnehmen! Natürlich könnte ich auch im Gästezimmer übernachten, aber es bleibt dabei - unterwegs schlafe ich draussen. Heute dann im Garten.

Beide sind schon zur Arbeit unterwegs, bis ich mit dem ersten Tageslicht zusammenpacke und Richtung Ziegelbrücke wandere. Den Bahnhof kenne ich gut von der Wintersaison, da ich auf dem Weg in die Flumserberge jeweils für eine "Café-Dauer" auf den Zuganschluss warten musste. Inzwischen hat sich der Kiosk geändert - wo mal Stühle und Tische mit Zeitschriften vorhanden waren, stehen nun unzählige weitere Regale. Die Zwischenräume sind so eng, dass man sich aneinander vorbei drücken muss. Auch hier zeigt sich ein unfreundlicher Trend: Man möchte, dass möglichst rasch, möglichst viel konsumiert wird und geht. Ich wollte eigentlich einen Café zum Verweilen, nicht einen "to go"!

Taunasse Wiesen laden mich ein, barfuss entlang dem Linthkanal bis nach Weesen zu laufen. Es klingt so banal, "Barfusslaufen" als Gesundheitselixier zu bewerben, dabei liegt darin soviel Potential ! Beim direkten Körperkontakt mit der Erde - sei es mit den Füssen, mit den Händen (ohne Handschuhe) beim Gärtnern, auf einer Wiese sitzen - werden unerwünschte Elektronen, die Schmerzen, Stress und Müdigkeit verursachen, abgegeben und wohltuende Energie aufgeladen. Durch das Tragen von Schuhen mit dicker Sohle, Wohnen in massiven Häusern oder Laufen auf asphaltierten Oberflächen sind wir heutzutage fast vollständig von dem Elektronenfluss der Erdoberfläche abgetrennt. Diese Problematik macht sich auch die Industrie zunutze, indem z.B. für spezielle Bettdecken geworben wird, die diese "Erdung" wiederherstellen soll. Die Natur gibt es uns gratis und erst noch mit vielen weiteren wohltuenden Geschenken.








Über hunderte Treppenstufen führt ein historischer Weg aus dem 18 Jhdt. vorbei an einem vorstehenden Felsen und mit spektakulärer Aussicht über den Walensee hinauf nach Amden. Ein uralter Grabstein mit der Aufschrift "Herrenstein" erinnert an eine Sage um den Chappeli-Weg. Die Aussicht hinunter zum Walensee ist immer wieder bezaubernd...














In Amden besuche ich spontan eine befreundete Familie, die zufällig zuhause ist. Inzwischen Mittagszeit und ich werde mit einer köstlichen Kürbissuppe und selbst gemachtem Kräuterpesto verwöhnt. Auf der sonnigen Terrasse mit Weitblick-Panorama gibt es so allerlei zu berichten und auszutauschen - dazu noch Café und selbst gebackene Muffins. Maja erzählt mir, dass ihr zuletzt ein Junge, welcher in einem Dorf auf der gegenüberliegenden Bergseite wohnt, davon berichtet hat, dass bei ihnen ein Wolf in Hausnähe gewesen sei. Der Wolf, er beschäftigt und bewegt die Menschen in der Schweiz zunehmend.


Von Amden führt mein Weg weiter aufwärts zum Bergrestaurant Walau, wohin auch die Seilbahn fährt. Die letzten Gäste machen sich langsam auf den Rückweg...einige Wander/innen kommen mir entgegen, die noch die letzte Bahn talwärts erreichen möchten. So gehen auch zwei ältere Frauen an mir vorbei, eine dreht sich wieder um und spricht mich an. Ob sie fragen dürfe, wo ich nun noch hinwandere, wir kommen ins Gespräch...wieder die Frage, ob ich keine Angst hätte - alleine.

Eigentlich nicht, vielleicht manchmal - aber wenn ich nachspüre ist das nicht Angst...es ist eher mal ein "mich etwas unsicher" fühlen vor neuen und ungewohnten Situationen oder Umgebungen. Durch das Vermeiden solcher Situationen und indem in unserer Zivilisation alles daran gesetzt wird, sich für alles Eventuelle abzusichern, wird die Angst als solches für immer mehr Menschen zu einem Feind. Das geht soweit, dass etliche Menschen lieber ihre Lebendigkeit aufgeben, als sich ihrer Angst zu stellen und sie zu überwinden versuchen. Und leider werden mit der Angst von Menschen skrupellos Geschäfte gemacht.

Mir ist meine äussere und innere Freiheit zu wertvoll, um mich davon manipulieren zu lassen. Dafür zahle ich gerne den Preis, den das Ausweiten meiner Komfortzone kostet.


Ausblick in den Alpstein bis zum Säntis; Stunden über Wiesen, Felder, Wälder...ohne jemandem zu begegnen...die anhaltende Stille in dieser Weite ist besonders und zwischendrin auch ein bisschen unheimlich, da nicht alltäglich. Die Alpabzüge sind vorüber; weder Kuhglocken, noch irgendwelche Tiergeräusche sind zu hören - einfach Stille. Einfach schön. Einfach auftanken.


Abendrot über den Churfirsten von der anderen Seite als am Morgen vom Walensee aus - es ist kurz vorm Eindunkeln und ich erreiche Stein/SG. Grade noch Zeit für ein erfrischendes "Panache" im Gasthaus, bis mein Bus Richtung "nach Hause" kommt...





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