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30. Etappe Rüdlingen - Kaiserstuhl

21. November 2022 (1 Tag)


Über Nacht hat es aufgehört zu regnen und ich setze meinen Weg von gestern in Rüdlingen fort. Immer wieder bieten sich mir zauberschöne Aus- und Weitblicke auf den Rhein und -heute bei Tageslicht- spaziere ich durch das Städtli Eglisau.

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Das Herbst-Sonnenlicht malt in der Natur mit den kräftigsten Farben - immer wieder bleibe ich stehen, schaue und lasse meine Sinne beschenken.

Bei meiner Planung, entlang dem Rhein nach Basel zu pilgern, habe ich nicht erwartet, dass sich mir auf diesem Weg so viel Schönheit offenbart. Heute mit leichtem Gepäck unterwegs, spaziere ich leichtfüssig durch Herbstlaub, das unter meinen Füssen raschelt. Der Weg schlängelt sich durch Wälder, stets flussnah; es ist angenehm warm für die Jahreszeit. Die Stimmung erinnert mich an ein Gedicht von Hermann Hesse.

Baum im Herbst


Noch ringt verzweifelt mit den kalten Oktobernächten

um sein grünes Kleid mein Baum.

Er liebt's, ihm ist es leid, er trug es fröhliche Monde lang.

Er möchte es gern behalten. Und wieder eine Nacht,

und wieder ein rauher Tag. Der Baum wird matt

und kämpft nicht mehr und gibt die Glieder

gelöst dem fremden Willen hin, bis der ihn ganz bezwungen hat.

Nun aber lacht er golden-rot und ruht im Blauen tief beglückt.

Da er sich müd dem Sterben bot, hat ihn der Herbst,

der milde Herbst zu neuer Herrlichkeit geschmückt.


In der Abenddämmerung erreiche ich das Städtli Kaiserstuhl mit der Brücke zum Zollhaus nach Deutschland. Gerne würde ich noch ein paar Tage weiter wandern, hätte ich die freie Zeit dazu...

Das ist auch das Besondere an dieser Art meines Pilgerns: Indem mein Abfahrtsort nach Hause immer wieder auch mein Beginn zur Fortsetzung des Weges ist, habe ich die Möglichkeit, viele Orte zweimal zu erleben. Dazwischen findet ein anderes Leben statt, der Ort schafft die Verbindung von dem Einen zum Anderen "im Leben Sein".






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