19. Etappe Engstlenalp - Jochpass (2207m) - Trübsee - Engelberg - Surenenpass (2291m) - Erstfeld

4. - 5. September 2022 (2 Tage)


Sonntag, nur an den Wochenenden fährt noch ein Bus zur Engstlenalp, wo ich meinen Weg nach Ankunft um 10.15 Uhr fortsetze...heute bin ich nicht allein auf dem Weg über den Jochpass zum Trübsee, den ich etwa 2 ½ h später erreiche.


Der erlebnisreiche "Schmuggler-Spielplatz" mit vielen stilvollen Feuerplätzen, nahe den Bergbahnen am Trübsee, lädt zahlreiche Familien zum Ausflug ein. Während meinem Picknick am Wasser bieten sich mir so manche Szenen...so geht ein Mann, welcher bis zur Brust in Ufernähe im See steht, rundum entlang eines Ruderbootes, an dessen Rand er sich dabei festhält...das hält er recht lange in dem kalten Wasser aus - doch wie sich dann das Rätsel auflöst, hat es sich gelohnt! Ihm war beim Aussteigen vom Ruderboot nach einer Rundfahrt sein Handy ins Wasser gefallen und er tastete den Boden mit den Füssen ab, bis er es fand. Dabei hat er sogar seine langen Hosen angelassen, mit denen er dann triefend nass aus dem Wasser steigt.

Via Gerschnialp, vorbei an Engelberg setzt sich mein Weg in eine der eindrücklichsten Routen der Innerschweiz fort. Im Tal Richtung Surenenpass reihen sich unzählige Wasserfälle aneinander, der schneebedeckte Titlisgletscher strahlt im Nachmittagslicht.

Zwischendrin muss ich das Tal verlassen und via Bödmen-Alp hinaufsteigen, da der Weg entlang der Engelberger Aa gesperrt ist. Seit Stunden keine anderen Wanderer; zwischendrin das Rauschen mächtiger Wasserfälle, ich komme mir winzig vor zwischen den Bergriesen und diesen gewaltigen Naturkräften.

Aber ich bin nicht der einzige Winzling, der hier zwischen den Riesengesteinen unterwegs ist...

Etwa eine Stunde vorm Eindunkeln erreiche ich die Wirtschaft "Alpenrösli" - Grenze vom Kanton Obwalden nach Uri.

Hier kehre ich ein - nach einer kurzen "Durchquerung" der Kantone Nidwalden und Obwalden - an nur einem Tag. Dass ich mir nicht mehr Zeit zum Verweilen in der Vielfalt dieser Kantone nehme, liegt zum einen daran, dass ich sie zu früheren Zeiten auf vielen Touren ausgiebig erkundet habe. Zum anderen habe ich noch einige Pässe vor mir, bevor der Winter in den Bergen Einzug hält.



Mit einer Rösti wieder gestärkt, laufe ich weiter, immer wieder den Anblick der in der Abendsonne glühenden Berge bestaunend...nur: weit und breit kein noch so winziger Flecken grader Boden zu sehen, wo ich ebenerdig mein Zelt aufbauen könnte...im Halbdunkel komme ich am Stäuber-Wasserfall vorbei...nein, also nicht wieder beim Einschlafen das laute Rauschen, als ob es mich jederzeit mitreissen würde! Nach etwa gut einer ¼ h finde ich ein einigermassen flaches Stück Boden, worauf ich mein Zelt aufbauen kann. Während dem Einrichten dessen, kommt der runde Mond hinter den Bergen hervor und beleuchtet mein Nachtlager.






...nach dem heissen Sommer habe ich mich noch nicht an die kühlen Temperaturen am frühen Morgen in den Bergen gewöhnt und gönne mir das Frühstück im Zelt...

...danach noch ein Spaziergang zurück zum rauschenden Stäuber - Wasserfall. Davor steht ein Schild "Kraftort Fürenalp" mit folgender Einladung:

"Betrachten Sie ihn von der Brücke aus und nehmen Sie entspannt seine hohen und aufbauenden Kräfte wahr. Die Brücke ist ein guter Ort, Sorgen oder Ängste loszulassen. Übergeben Sie diese in die Obhut des Wassers und schauen Sie zu, wie alles, was Sie ihm mitgeben mögen, davonträgt."

Vielleicht sollten wir in Zeiten wie diesen mal zu Wallfahrten an Wasserfälle einladen, anstatt Nachrichten zu hören...







Diese kleine Kapelle bezeichnet einen kraftvollen Ort, der in vorchristlicher Zeit wohl als Jahreszeitenfeierplatz genutzt wurde, worauf nicht nur die Kräfte, sondern auch eine Sage hinweist. Von dieser ist wohl auch der "Uristier" im Wappen des Kantons geblieben. An der Tür zur Kapelle steht: "Wir bitten Sie die Türe zu verschliessen, damit die Murmel-tiere draussen bleiben." Hätte ich ja gerne mal gesehen - ein betendes Murmeltier. Nahe der Kapelle ist die "Blackenalp", wo ich gerne für einen Café einkehren möchte; leider ist sie geschlossen und man kann sich nur draussen in Selbstbedienung kalte Getränke kaufen. Wie ich dann vom Alphüter erfahre, konnten sie diesen Sommer erst gar nicht öffnen, weder das Restaurant, noch die Herberge, weil sie kein Personal gefunden haben. Ich ziehe weiter bis ich an einen Bach komme, an dem ich mich erfrische und eine Rast einlege.




Zwei Männer kommen des Weges, ein älterer und ein junger, welcher vor sich hin lächelt. Darauf angesprochen, berichtet und erklärt er stolz:

"Der letzte Bissen" im Maul des Tieres soll Demut vor der Natur, Achtung vor dem erlegten Lebewesen und Dankbarkeit für das Jägerglück symbolisieren. Eine Haltung, die wünschenswert wäre, sich beim Konsum von Fleisch mal wieder ins Bewusstsein zu rufen. Vor allem, wenn es in Massen aus dem Supermarkt bezogen wird- seine wirkliche Herkunft anonym und vom Verbraucher verdrängt.










Welch' eine Aussicht auf beide Seiten des Surenenpasses auf etwa 2300m! Die Surenenpass- Wanderung ist Teil der Via Alpina. Die Via Alpina führt durch 8 Länder und erstreckt sich über 5000 km in über 300 Tagesetappen. Ich treffe einen Wanderer, der auch in Etappen wandernd unterwegs ist, um den Schweizer Teil davon bis nach Montreux zu machen.



Zwischendrin ein farbenprächtiger Blick zum Vierwaldstättersee; auch mit dem langen und heissen Sommer strahlt hier alles noch in vielerlei Grün. Ca. 15 Uhr und ich komme bei der Alp Catrina an...

so, jetzt ist mal eine lange Pause angesagt! Da kommt mir die Hänge-schaukel grade passend...Entspannung pur...noch verbleibende Gedanken lasse ich mit den vorüberziehenden Wolken mitreisen...

und schon sind zwei Stunden später!

Nur noch bis Erstfeld, vielleicht 1 ½ - max. 2 h, denke ich...

der Weg - noch etwas mehr als 1000 Höhenmeter-Abstieg !- sagt was anderes...












...endlich Erstfeld! Die Bahnhofsuhr zeigt kurz vor 20 Uhr ! an...wenige Minuten später sitze ich im Zug nach Hause...

& ich denke an all' die reichen Vorräte, die ich nach dem Vorbild von "Frederick" gesammelt habe, aber dazu ein nächstes Mal...














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